ISBN 978-3-03777-149-5
372 Seiten
2015
Format 15.5 x 22.5 cm
broschiert

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Integration und Abwehr

Genealogie der schweizerischen Ausländerintegration

Esteban Piñeiro

In den 1990er Jahren verabschiedete sich der Bund von der traditionellen Politik der Überfremdungsabwehr, um fortan das emanzipatorische Ideal der gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe der Ausländerinnen und Ausländer zu postulieren. Wurden diese bis dahin als «Überfremdungsgefahr» problematisiert, so werden sie nun als «willkommene Mitbürger» gesehen. Mit seiner «Politik der Anerkennung» lässt der Staat die Ausländerinnen und Ausländer aber nicht nur zu geschätzten «Citoyens» werden. Im Namen der Integration übt er auch Zwang aus. Er fordert von den Ausländerinnen und Ausländern Integrationsleistungen und droht mit Sanktion und Ausschluss. Nationale und internationale Studien kritisieren diesen Trend zu einer repressiven Auslegung der Integration.
Mit der markanten integrationspolitischen Korrekturbewegung hat sich die Forschung bisher kaum beschäftigt. Wie kam es, dass die Ausländerinnen und Ausländer nunmehr gemäss dem Programm der Integration regiert werden sollten? Und wie entwickelte sich die Integrationspolitik zu jener Form der Aufenthaltssteuerung, die sie heute ist?
Die vorliegende, als Gouvernementalitätsforschung angelegte genealogische Diskursanalyse kommt zum Schluss, dass die politische Mission der Ausländerintegration in der Herstellung und Aufrechterhaltung der Regierbarkeit einer Bevölkerung besteht, die sich nicht mehr einem juridisch konfigurierten Regime unterwerfen lässt. Vielmehr wird – wie sich zeigt – die Bevölkerung im gouvernementalen Modus der Sicherheit reguliert. Seit ihrem rund hundertjährigen Bestehen organisiert sich die schweizerische Ausländerpolitik als Abwehrformation. Davon rückt auch die gegenwärtige Integrationspolitik des Zusammenlebens nicht ab.

Autoren/Herausgeber

Esteban Piñeiro, Dr. phil., ist Soziologe und Dozent an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Dort forscht er am Institut Sozialplanung und Stadtentwicklung mit den Schwerpunkten öffentliche Verwaltung und kulturelle Diversität, Migration und Integrationspolitik sowie Regierung und Programmatik im Kontext von Sozialer Arbeit.

Rezensionen

«Im Laufe von hundert Jahren wandelte sich die Migrationspolitik vom Kampf gegen die Überfremdung zur integrativen Gesellschaftspolitik. Esteban Piñeiro analysiert die offiziellprogrammatische Veränderung.»

Rezension von Christoph Wehrli in der NZZ (18.3.16)

«Esteban Piñeiro geht in seiner sprachlich wie analytisch bestechenden Dissertation mehreren „kardinalen“ Fragen rund um den Komplex des Wandels der Ausländerpolitik in der Schweiz nach.»

Rezension von PD Dr. Matthias Lemke auf dem Portal für Politikwissenschaft (17.11.16)

«Fazit: Ein Must für alle, welche sich für den schweizerischen Migrationsdiskurs und die Integrationspolitik interessieren!»

Rezension von Simone Gretler Heusser auf socialnet (20.05.16)

«Die Studie arbeitet die bevölkerungspolitische Dimension der Integration heraus und zeigt, dass sich die schweizerische Ausländerpolitik seit ihrem rund hundertjährigen Bestehen als Abwehrformation organisiert.»

Swiss Migration News (14.3.2016)