ISBN 978-3-03777-279-9
178 Seiten
2026
Format 15.5 x 22.5 cm

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Sind Institutionen überholt?

Herausforderungen der Deinstitutionalisierung

Sandro Cattacin, Dagmar Domenig, Emilie Rosenstein (Hrsg.)

In den 1960er-Jahren führte die von Franco Basaglia in Triest begründete, antipsychiatrische Bewegung zur Auflösung der Psychiatrien in Italien. Auch in der Schweiz kam es in der Folge zur teilweisen Auflösung der psychiatrischen Institutionen für Menschen mit einer chronischen psychischen Beeinträchtigung.
Mit der 2014 durch die Schweiz ratifizierten UN Behindertenrechts-Konvention (UN-BRK) wird derzeit die umfassende Deinstitutionalisierung von allen Wohn- und Arbeitsangeboten für Menschen mit einer Beeinträchtigung debattiert. Vor diesem Hintergrund setzte sich die nationale Arkadis-Fachtagung 2022 zum Ziel, interdisziplinär und durchaus kontrovers, doch auch pragmatisch, die Herausforderungen der Deinstitutionalisierung zu analysieren. Dabei steht der Artikel 19 der UN-BRK im Vordergrund, der ein Recht auf «unabhängige Lebensführung» postuliert. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Menschen mit Behinderungen allein gelassen werden sollen; im Gegenteil: Sie sollen sichtbarer Teil der Gesellschaft werden und sich an gesellschaftlichen Dynamiken beteiligen können. Die Deinstitutionalisierung ist deshalb auch eine demokratische Herausforderung, die eine Antwort vieler spezialisierter Dienstleistender, von lokalen und städtischen Behörden, aber auch von allen Menschen abverlangt, die dank der angestrebten Deinstitutionalisierung lernen, mit Behinderungen umzugehen und zu leben und diese auch für sich selbst zu akzeptieren.

Autoren/Herausgeber

Sandro Cattacin ist Soziologieprofessor an der Universität Genf und arbeitet zu Dynamiken des Einschlusses und Ausschlusses. Themen der organisierten Differenz und der Innovation im städtischen Kontext sowie der Beziehung zwischen Institutionen und Marginalität im städtischen Kontext stehen im Zentrum seiner wissenschaftlichen Tätigkeit.

Dagmar Domenig ist ist promovierte Sozialanthropologin, Juristin und Pflegefachfrau. Sie ist Präsidentin von INSOS, dem Branchenverband der Dienstleister für Menschen mit Behinderungen und in dieser Funktion auch Mitglied im Vorstand von ARTISET, der Föderation der Dienstleister für Menschen mit Unterstützungsbedarf. Ihre Schwerpunktthemen sind Migration und Gesundheit, transkulturelle und transkategoriale Kompetenz, Umgang mit Verschiedenheit im Gesundheits- und Sozialwesen.

Emilie Rosenstein ist Professorin für Sozialpolitik an der Haute école de travail social et de la santé Lausanne, wo sie das neue Observatoire des précarités (Beobachtungsstelle für prekäre Lebensumstände) leitet. Sie hat einen Doktortitel in Soziologie. Ihre Fachgebiete umfassen die Sozialpolitik und die Eingliederungspolitik, insbesondere im Bereich der Behinderten- und Jugendpolitik.

Mit Beiträgen von Nadia Baumann, Eliane Bovitutti, Sandro Cattacin, Alice Delisle, Dagmar Domenig, Wiebke Falk, Mariama Kaba, Klinik für Sozialanalyse, Marco Nardone, Emilie Rosenstein, Matyas Sagi-Kiss, Peter Saxenhofer, Urs Schäfer, Rahel Stuker.